Monthly Archives: November 2013

Abgeschleppt, ausgeraubt, ausgewiesen und abgesumpft

… so könnte man den Tag beschreiben.
Zunächst scheint alles gut zu laufen, der AAS (der ADAC Singapurs) holt uns pünktlich am Hostel ab und wir fahren zum Hafen, um unser Reisemobil abzuholen. Doch schon bei dem Versuch auf das Hafengelände zu kommen, hapert es. Irgendein Dokument ist falsch oder es fehlt ein Teil – weiß der Geier. Ein Anruf bei Cheryl von der Shipping Agentur, eine Stunde warten und es läuft.
DasAuto ist schnell gefunden und an den Haken gehängt, doch es fällt sofort auf, dass die Nummernschilder geklaut und dasRadio gegen ein Stück Schrott ausgetauscht wurden! Also erst mal raus aus dem Hafen und zur Polizei für eine Anzeige. Danach besorgen wir uns neue Nummernschilder und lassen uns endlich zur Grenze Singapurs abschleppen.
Wieso ADAC & abschleppen? – Weil in Singapur keine Wohnmobile fahren dürfen!
Mittlerweile ist es nach 1800 und der Abschleppdienst lässt uns vom Haken, wir überqueren aus eigener Motorkraft die Brücke nach Malaysia und nach weiteren 90Min. Sind wir durch die malaysischen Grenzkontrollen durch.
An der ersten Tanke tanken wir für umgerechnet 80€ den Tank voll (€0.52/l) und versuchen unser Glück am ersten Bankautomat. Der geht schief und die erste Kreditkarte ist gesperrt – doof! Mit den letzten Singapur Dollar besorgen wir uns Wasser, Kekse und ein Abendessen. Die muslimischen Frauen hinter den Verkaufstresen sind freundlich und beherrschen ein paar Worte Englisch.
Auf der Suche nach einem Schlafplatz biegen wir von der Hauptstraße ab. Der Weg endet auf einer Art Damm, ein paar dutzend Meter vom Meer entfernt. Wir fahren den matschigen Damm entlang. Rechts von uns Sumpf und Kokosnussplantagen, links Mangrovenbäume. Irgendwann wird der Weg zu eng und wir entscheiden umzudrehen. An einer etwas breiteren Stelle versuche ich mein Glück zu wenden. Dies war ein Fehler! Der Morast ist zu weich, der Wagen versackt im Schlamm – Regel Nummer eins im Gelände: immer zuerst den zu befahrenden Weg zu Fuß abgehen – missachtet und sofort bestraft! wir stecken fest.
Kurz um, es dauert 5h bis der Wagen mit Händen frei gebuddelt, mit dem HiLift-Wagenheber angehoben, die Sandbleche untergelegt und mit Zusätzlicher Muskelkraft befreit ist.

Erschöpft schlafen wir auf unseren Sitzen ein – Tag eins mit dem WoMo abgeschlossen

Singapur

Unsere Reise beginnt im tropischen Singapur. Am Flughafen angekommen überrascht uns sofort ein Regenschauer, bei einer Temperatur von ca 30 Grad bietet dieser jedoch wenig Abkühlung. Es ist, wie auch in den folgenden Tagen, gleichbleibend heiß-schwül. Unser Hostel liegt in Chinatown inmitten von schön aussehenden alten Häusern. Doch schon auf der Fahrt zum Hostel enttäuscht Singapur die Erwartungen an eine reiche Handelsmonopole nicht: Hochhäuser wohin man schaut, die Reste der Formel 1 Strecke, das Hotel mit dem Infinity-Pool auf dem Dach, jede menge avantgarde wirkende Architektur und große Leuchtreklamen. Eine Deutsche, die hier wohnt, haben wir gefragt, was denn die Einwohner hier am liebsten machen. Antwort: einkaufen, einkaufen, einkaufen und sich beschweren. Na das kann ja heiter werden. Unterwegs in der Stadt sieht man mehr Luxusautos als man normale sieht, Rolex-Läden gibts wie Sand am Meer und als Frau scheint mir definitiv eine Louis Vitton Handtasche zu fehlen, aber gut. Man muss ja Prioritäten setzen. Auf der anderen Seite scheinen die Leute auf den Märkten direkt auf ihrem Stand zu schlafen. Die gesamte Infrastruktur und all der Glamour wird wie üblich durch die ganz Armen möglich gemacht. Die schauen uns auch öfter lustig an wenn wir uns wie gestern in Little India in ein typisches Restaurant für eher unterdurchschnittlich verdienende Menschen setzen. Aber Alle scheinen hilfsbereit und freundlich.
Während wir auf das Auto warten, sind wir den Empfehlungen der Einheimischen gefolgt und nach Sentosa, einer vorgelagerten, teils künstlichen Insel gefahren. Dort gab es schöne angelegte Strände für deren Existenz Millionen Tonnen von Sand aus Indonesien heran geschifft wurden. Die künstliche Idylle wird nur getrübt von Frachtschiffen und vor der Stadt gelagerten Öltanks, auf die man freie Aussicht hat. Dies konnte man auch schon vom Flieger aus beobachten: Singapur ist umringt von Frachtschiffen, Schiffsfriedhöfen und Tanks. Da hier ja praktisch nichts produziert wird, muss eben alles angeliefert werden. Zum Schluss haben wir aber doch noch ein bisschen (originalen) Regenwald gefunden und so ist doch alles gut. Nun freuen wir uns auf unser Auto und sodann Malaysia.

Bis bald,

Jörg und Miriam