Angkor What?!

Unser großes Ziel in Kambodscha ist das anderweitig auch als 8. Weltwunder bekannte Angkor Wat, diese riesige Tempelanlage, deren Anfänge vor rund 1000 Jahren begründet wurden. Wie in anderen Hochkulturen auch findet sich der Grund für den Aufstieg des Khmer-Reiches in der Beherrschung der Natur durch den Menschen. Bewässerungsanlagen und Stauseen ermöglichten die Flutung der Felder mehrfach im Jahr, so dass Reis im Überschuss produziert wurde und Kapazitäten für den Bau großer Städte und prächtiger Tempelanlagen geschaffen wurden. Ich habe mich auf dieses kulturelle Highlight schon seit Beginn unserer Reise gefreut und ich wurde nicht enttäuscht. Zunächst war ich erstmal überrascht, dass man mit seinem eigenen Auto in die Anlage hinein fahren darf, aber auch dies hat seinen Grund. Ein Blick auf die Karte verrät, dass Angkor Wat zwar das bekannteste Wat (=Tempel) ist, aber bei weitem nicht das größte oder einzige. Neben Angkor Wat gibt es das viermal so große Angkor Thom und so viele Tempel, dass man sie mit dem Drei-Tages-Ticket gar nicht alle bewältigen geschweige denn zählen kann. Von Süden her kommend fährt man nun aber zunächst am vermeintlichen Star der Anlage vorbei: Angkor Wat. Der Tempel ist von einem ca 100m breiten Wasserlauf umgeben, so dass man ihn nur über eine Brücke erreicht. Der erste Eindruck ist natürlich bombastisch, wenn man über die Brücke geht und durch das Tor in eine andere Welt schreitet. Nur zu gerne möchte man wissen, welches Treiben wohl vor 1000 Jahren an exakt dieser Stelle geherrscht hat. Vorbei an Seen innerhalb des Geländes, immer zu auf einer Art Steg laufend erreicht man das Innere des Wats. Hier erwarten einen die fünf bekannten Türme, und der gesamte innere Bereich ist innen wie außen komplett mit in Stein geschlagenen Geschichten gesäumt. Jörg macht sich einen Spaß daraus, die Reliefs zu interpretieren und mir die Geschichte des kühnen Königs zu erzählen, der mit Entschiedenheit und Sanftmut über seine Elefanten und Affen herrschte… Es fällt schwer, dieses gigantische Bauwerk in Worte zufassen und wahrscheinlich muss man es einfach mal selbst erlebt haben.
Nach einiger Zeit dort fahren wir weiter zur nächsten großen Tempelanlage, Angkor Thom. Innerhalb Angkor Thoma befinden sich mehrere Tempel verschiedenen Alters und Stils, darunter das Bayon mit rund 250 in Stein gemeißelten Gesichtern. Oder aber ein Tempel in Pyramidenform, und kleinere Türme, die früher für die Rechtsprechung genutzt wurden: waren zwei sich streitig, wurden beide in jeweils einen Turm gesperrt. Der, der nach ein paar Tagen krank hinaus kam, war der Schuldige, schließlich hätte dies sein Schicksal bewiesen….
So verbringen wir drei Tage (allerdings nicht aufeinander folgend) in den Tempel und kämpfen uns mal mit anderen Touristen, mal Affen um die besten Plätze. Oftmals besuchen wir einfach auch die weniger populären Tempel, um den großen Ansturm zu entgehen. Immer verfolgt werden wir leider von Straßenhändlern, Restaurantbesitzern, bereits fleißig arbeitenden (Klein)-kindern, Musikgruppen durch den Krieg verwunderter Menschen und sehr vielen bettelnden Kindern. Kambodscha ist nun einmal eine ganze Ecke ärmer als z.B. Thailand und die Auswirkungen der Schreckensherrschaft der Roten Khmer (1975-1979), die ca. 1,8 Millionen Kambodschanern das Leben kostete und das Land in einem Bürgerkrieg versinken lies, sind deutlich zu spüren. Die Armut steht im krassen Widerspruch zu dem Amüsierviertel, welches in der an Angkor angrenzenden Stadt Siem Reap geradezu zu explodieren scheint. Essen aus allen Ecken der Welt zu gesalzenen Preisen, dazu noch mehr Souvenir-Stände und die gleichen Taschen, Hosen und Kleider die es seit Malaysia gibt, noch mehrere dutzend Massage-Salons, Friseure usw., Bars und Discos. Auf der anderen Seite finden wir aber auch ein schönes Café, welches leckersten italienischen Kaffee und Yoga anbietet – da sagen wir nicht nein und sind fast täglich da. Nach einer schönen Woche voller Kultur, Anstrengung und wieder Entspannen machen wir uns weiter. Der Strand ruft – doch welcher Weg führt nach Rom…?!

3 thoughts on “Angkor What?!

    1. welt_Joerg

      Danke! Ja wir waren auch in der Angkor What Bar und haben uns dort mit der einen Canadierin getroffen. War aber recht wenig los. Die ganze Gegend um die Pub Street ist aber gesäumt mit Bars und Clubs, ist fast verrückter als die Khao San Road in Bangkok. War das bei dir auch schon so? Nächste Woche versuchen wir nach Vietnam einzureisen und wandeln weiter auf deinen Spuren ;-). Wollen über Saigon hoch fahren und dann aber die meiste Zeit im Norden verbringen. Grüße zurück!

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