Good Morning Vietnam – Miriams Teil

Dass Grenzbeamte und ich werden keine Freunde werden, so viel stand schon bei der Einreise nach Kambodscha fest. Dort wartete ich am Auto, während Jörg den Papierkram organisierte. Da fährt mir unter Aufsicht ein Karren ans Auto und alle lachen und winken dem Karrenfahrer zu, er solle doch weiter gehen. Obwohl ich lautstark protestiere, immerhin hat er von vorn bis hinten eine riesen Macke ins Auto gefahren, reagiert keiner. Daher war ich vielleicht schon etwas negativ eingestellt, als wir an die Grenze zu Vietnam kommen. Es ist wie wir erwartet haben: wir werden abgewiesen, immer wieder wird uns erklärt, mit dem Auto nach Vietnam geht nicht. Nagut, wir wollen es ja trotzdem probieren und erklären von unserem Plan. Man lacht uns zwar aus, aber Jörg darf einreisen. Kaum bin ich alleine im Auto, klopft es: Polizeikontrolle. Sie waren zwar gerade eben schon da, als Jörg noch bei mir war und in dieser Zeit hat sich sicher am Auto nichts verändert, aber gut, man muss ja freundlich bleiben. Auf die Autokontrolle folgt die Passkontrolle, und hier nimmt man mir mehr oder minder meinen Pass weg, denn sie wollen mir weis machen, ich müsste auch in Vietnam eingestempelt sein. Damit ist also, falls Jörg nichterfolgreich ist, auch mein Visum futsch. Bei der Rückkehr zum Auto merke ich, dass meine kambodschanische Telefonkarte nicht mehr funktioniert, nun bin ich komplett von der Außenwelt abgeschnitten: zurück nach Kambodscha geht nicht, nach Vietnam rein eigentlich auch nicht, weil das Auto jetzt ja im Niemandsland steht. Kein stress, denke ich mir, vorhin hatten ja noch alle Grenzbeamten ein modernes Smartphone inklusive Google Translate und Internet. Nachdem ich mich irgendwie verständlich gemacht habe, dass ich kurz Jörg eine SMS schicken möchte, kann auf einmal keiner mehr Englisch, keiner hat mehr ein Telefon und andauernd werde ich gefragt “Wo ist dein Mann, wo ist dein Mann?”. Der Grenzübergang ist ja recht klein, jeder kennt unser Anliegen. Es wird also zunehmens komisch und die Zöllner immer unangenehmer. Immer wieder gehen sie ums Auto, machen Bemerkungen usw.
Na toll denke ich mir, aus einem ruhigen Tag im Auto mit Buchlesen wird wohl nichts. Stattdessen quatsche ich dann andere Touristen an, die den Grenzübergang überqueren und frage sie um ihr Telefon. Dann finde ich zwei Kanadier, die mit dem Fahrrad unterwegs sind und versprechen, mir eine vietnamesische SIM-Karte zu kaufen und wieder zu kommen. Inzwischen ist es Mittag, und Jörg seit 4 stunden Weg. Ich setze mich also in einen Imbiss kurz nach der Grenze und bin mal wieder von Männern umringt, diesmal Tuktuk und Moped-Fahrer. Der eine hat Jörg heute morgen zum Bus gebracht und meinte, der Bus dauert 3 stunden bis nach Rach Gia und er würde schon wieder Auftauchen irgendwann. Als die Kanadier auch nicht wieder auftauchen, versuche ich ihnen zu erklären, dass ich mal Internet bräuchte, um Jörg eine Nachricht zu schicken. Mittlerweile ist es 16 Uhr und nur noch 2 Stunden bis die Grenze schließt und immer noch keine Nachricht von Jörg. Endlich versteht mich jemand und ein sympathischer Vietnamese bietet mir eines seiner vielen Ipads an, die er mit sich herumschleppt. Also schicke ich Jörg über die Iridium Website eine SMS aufs Satellitentelefon und überlege, was nun am schlausten ist. Irgendwen anders informieren ist wahrscheinlich eine gute Idee, doch wer ist um die Uhrzeit schon online oder checkt sekündlich seine Mails. Bestimmt die Kollegen an der Uni :-). Und so ist es auch! Ich schildere ihnen das Problem und sie versuche leider vergeblich, Jörg auf dem Satellitentelefon zu erreichen. In der zwischen Zeit schaffe ich es dank Google Translate zu einer vietnamesischen SIM-Karte und bin immer hin erreichbar auch wenn das Internet einfach nicht zu gehen scheint. Kurz bevor der Strom ausgeht, kommt um 17:20 Jörg um die Ecke und ich verdrücke ein paar Freudentränen. Weder muss ich alleine im Auto im Zoll schlafen und die Zöllner ertragen, noch muss ich das Auto stehen lassen um im Hotel zu übernachten. Wir sind zwar beide enttäuscht, dass wir nicht nach Vietnam reingekommen sind, aber trotzdem froh, wieder zusammen zu sein. Es scheint als bräuchte man hier an den Grenzen gerade als Frau leider super Nerven aus Stahl und am besten noch einen Selbstverteidigungskurs… Naja beim nächsten Mal dann, jetzt weiß ich ja, wie das hier abläuft.

4 thoughts on “Good Morning Vietnam – Miriams Teil

  1. Ingo

    Beim nächsten mal am besten vorher einen Backup-Plan machen… 😉
    Aber hat ja – abgesehen von der Einreise – noch rechtzeitig geklappt alles. Gute Reise weiterhin!

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  2. Lisa

    Mann oh mann.. Arik und Robert haben gestern von dem Vorfall erzählt, aber das hier so zu lesen gruselt mich noch mal richtig!! Gut, dass du da heil rausgekommen bist!
    ..aber wenigstens habt ihr jetzt mal richtig Abenteuer, gell 😉

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  3. Hans G. und Brigitte

    Hi, das ist ja voll das Abenteuer…. Da wage ich mich momentan lieber auf die schwarze Piste beim bevorstehenden Winterurlaub – trotzdem könnten wir auch bald mal wieder mit dem Mobil los, aber etwas weniger spektakulär bitte (in unserem Alter), sonst endet das Ganze noch mit einer Herzattacke!!!

    Gruß Hans G. & Brigitte

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  4. anne

    Hi,
    krasse Geschichte und echt unangenhem. Gut, dass du dich nicht aus der Ruhe bringen lassen hast Miri…

    Passt auf euch auf!

    LG

    Anne

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